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Krebserregende und andere hochgiftige
Pestizide sollen vom europäischen Markt verschwinden. Das
EU-Parlament hat für ein weitgehendes Verbot gefährlicher
Substanzen in Pflanzenschutzmitteln gestimmt. Erlaubt bleibt
nur, was umwelt- und gesundheitsverträglich ist.
Die
Europa-Abgeordnete Christa Klaß wird sich auch umstellen
müssen: Sie kommt aus einer Winzerfamilie aus Osann-Monsel,
einem Dorf an der Mosel. Und weil dort die Reben an
Steilhängen wachsen, werden die Chemikalien gegen Pilz- und
Schädlingsbefall seit langem per Hubschrauber großflächig
verspritzt. Viereinhalb Hektar bewirtschaftet die Familie
Klaß. Die neue EU-Richtlinie zum Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln wird auch sie treffen: "Wir werden bei
einigen Insektiziden Problemen haben." Aber auch bei
Herbiziden, die wegfallen, wüssten die Winzer noch gar
nicht, welcher Stoff im einzelnen betroffen sei.
Strenge Kontrollen und Verbote
Die Hubschrauber werden auch weiterhin über dem Moseltal
kreisen. Aber das Zeug, das sie versprühen, wird künftig
streng kontrolliert, einiges davon sogar verboten. Egal ob
an der Mosel, auf baltischen Äckern oder portugiesischen
Feldern - in den kommenden Jahren wird es überall in der EU
klare Regeln für den Pestizid-Einsatz geben:
Pflanzen-schutzmittel, die nachweislich krebserregende,
erbgut- oder fortpflanzungsschädigende Wirkstoffe enthalten,
werden EU-weit verboten. Was erlaubt sein wird, muss nach
der neuen Richtlinie verträglich sein für die Umwelt und für
die Gesundheit.
Auch die christdemokratische Europaabgeordnete Klaß steht
hinter den neuen EU-Auflagen und glaubt, dass sich die
Interessen der Winzer und Bauern durchaus mit der
Pestizid-Richtlinie vereinbaren lassen: "Für mich ist
wichtig, dass am Ende keine schädlichen Stoffe mehr drin
sind", sagt sie. Alle europäischen Richtlinien müssten
eingehalten werden. Es werde stichprobenartig kontrolliert,
ob die Bauern dies einhalten, so Klaß. "Sonst bekommen sie
keine Ausgleichszahlungen."
Chemieriesen warnten vor Richtlinie
Dabei hatte die europäische Agrarlobby in den vergangenen
Monaten noch den Untergang der abendländischen
Landwirtschaft beschworen und großes Unheil prophezeit, wenn
die EU den Einsatz von Pestiziden reguliere: Europas
Agrarflächen würden veröden, warnten die Sprecher deutscher
Chemieriesen wie Bayer und BASF, die Landwirtschaft sei in
ihren Grundlagen bedroht.
Es dürfte ihnen weniger um das Schicksal des
Bauernstandes gegangen sein als um die sechs Milliarden Euro
Umsatz, die bislang jährlich und EU-weit mit
Pflanzschutzmitteln gemacht worden sind. Weniger
Pflanzenschutz bedeute weniger Agrarprodukte bedeute höhere
Preise für die Verbraucher, rechneten die Lobbyisten bei
jeder Gelegenheit vor.
"Meilenstein für Verbraucher und Umweltschutz"
Dass sie in Brüssel und Straßburg damit nicht durchkamen,
verbuchen nun viele Europaabgeordnete als Sieg der Vernunft
über industrielle Interessen. Vor allem die grüne
Parlamentarierin Hiltrud Breyer, die die Pestizid-Richtlinie
als Berichterstatterin mit ausgearbeitet hat, will sich gar
nicht mehr einkriegen vor Begeisterung: "Weil wir einen
Meilenstein geschaffen haben - für den Verbraucher und den
Umweltschutz. Denn erstmalig werden hochgefährliche
Pestizide verboten. Das gab es bislang noch nie. Europa kann
Vorreiter spielen. Wir haben diesen Ausstiegsbeschluss
durchgeboxt."
So revolutionär wird die neue Richtlinie allerdings auch
wieder nicht sein. Von den 220 Pflanzenschutzmitteln, die in
der EU derzeit zugelassen sind, dürften in den nächsten zehn
Jahren höchstens fünf Prozent verboten werden, die
Genehmigung für den Einsatz des Pestizidhammers "Basta" von
Bayer läuft angeblich noch bis 2017. Womöglich hat Breyers
Begeisterung für die neue EU-Richtlinie ja auch etwas damit
zu tun, dass in diesem Jahr das Europaparlament neu gewählt
wird. Gute Nachrichten von der EU sind da erwünscht.
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